MRFHMarburger Repertorium zur
Übersetzungsliteratur im deutschen Frühhumanismus

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Jakob Wimpfeling

MRFH 0040

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[ Literaturverzeichnis ]

Zeittafel

  • *27. Juli 1450 in Schlettstadt

  • 1464-1479 Studium in Freiburg, Erfurt u. Heidelberg (1466 Bacc. Art., 1471 Mag. Art., 1479 Bacc. Theol.)

  • Ab 1473 Lehre an der Universität Heidelberg

  • 1484-1498 Domvikar in Speyer

  • 1498-1501 Zweite Lehrtätigkeit in Heidelberg

  • Ab 1501 ohne festes Amt in Straßburg

  • Ab 1515 ohne festes Amt in Schlettstadt

  • †17. November 1528 in Schlettstadt
  • Leben und Werk

    Schon vor dem Tod seines Vaters, des Sattlers Nicolaus Wimpfeling (†1463), besuchte Jakob Wimpfeling die Lateinschule in Schlettstadt. Von seinem Onkel wurde Wimpfeling schließlich an die Universität Freiburg geschickt, wo er 1466 seinen ersten Abschluss erlangte und mit den carmina amatoria "die erste erkennbare Spur humanistischer Poesie in Freiburg" (Mertens, S. 45) hinterließ.

    Seit Dezember 1469 war Wimpfeling in Heidelberg immatrikuliert, wo er ab 1473 auch Anstellung fand. In den Folgejahren war er an der Universität Heidelberg in wechselnden Funktionen tätig und erhielt gleichzeitig mehrere kirchliche Pfründen. Erst hier entwickelte sich Wimpfeling zu einem Humanisten von Rang und Namen. In dieser Zeit pflegte er auch engen Kontakt zum Hof Philipps des Aufrichtigen. Gerade als Rektor der Universität bemühte er sich darum, neue Stoffe und Vermittlungsformen in den universitären Lehrkanon zu integrieren. 1484 ging Wimpfeling als Domvikar nach Speyer, bevor er 1498 für die Humanistenlektur nach Heidelberg zurückkehrte, wo er über die Briefe des Hieronymus und die Gedichte des Prudenz las. In seine Heidelberger Zeit fällt auch sein Drama Stylpho (1480, gedruckt 1495), mit dem er — zusammen mit Johann Reuchlin — das humanistische Schuldrama in Deutschland begründete.

    1501 gab Wimpfeling seine Lehrtätigkeit in Heidelberg auf und zog ohne feste Anstellung nach Straßburg. Nach dem bayerischen Erbfolgekrieg hatte er sich zunehmend vom Pfalzgrafen abgewandt und sich politisch den Habsburgern angenähert, die nun — mit Übernahme der Landvogtei Hagenau — nahezu die gesamte Herrschaft über das Elsaß antraten. Er unterstützte fortan die Reichspolitik Maximilians I., der Wimpfeling 1510 zum königlichen Familiaren ernannte. Ab 1515 und endgültig ab 1518 zog sich der Humanist in seine Geburtsstadt Schlettstadt zurück, wo er 1528 starb.

    Schon zu Lebzeiten hatte Wimpfeling einen immensen Wirkungskreis, der nicht nur von seiner universitären Lehre, sondern auch von seinen vielfältigen Publikationen auf dem Gebiet der Theologie, Poetik, Geschichte, Politik und Pädagogik herrührte. Trotz dieses breiten Oeuvres nimmt die Neuzeit den elsässischen Humanisten vor allem als Pädagogen, "als Erzieher Deutschlands" wahr. Berühmt wurde vor allem seine Erziehungsschrift 'Adolescentia', die erstmals im Jahre 1500 von Martin Flach in Straßburg gedruckt wurde. Früh bemühte sich Wimpfeling um die Erneuerung des Unterrichts an Schulen und Universitäten. Gerade in seinen Heidelberger Jahren war die Reform der universitären Bildung nach humanistischen Maßstäben ein zentrales Thema seines Wirkens.

    Da die Landesfürsten durch Universitätsgründungen die Wissenschaft förderten und eine wichtige Stütze der Klosterreform waren, begrüßte Wimpfeling zunächst den Ausbau der Landesherrschaften. So verfaßt er anläßlich der Erhebung Graf Eberhards a. Ä. von Württemberg in den Herzogsstand 1495 im Auftrag des Speyerer Stiftpropstes Dr. Friedrich von Nippenburg ein 'Carmen heroicum' Ad illustrissimum Principem Eberardum wyrtenbergensem. In einhundert Hexametern rühmt er hier Eberhards Klugheit und Gerechtigkeitsliebe; er lobt die Gründung der Universität Tübingen und das besonderes Friedensgeschick des neuen Herzogs, weil Eberhard "das Land wieder vereinigt, mit den Nachbarn Bündnisse geschlossen und Württemberg nach innen und außen sicher gemacht habe" (Fischer Nr. 50). Wimpferlings Preisgedicht wurde 1495 von Johannes Prüss in Straßburg gedruckt (GW M51644). Dem Pfalzgrafen Philipp widmete er 1498 seine 'Philippica', deren Dialoge vor dem Pfalzgrafen und seinen Söhnen im Schloß zu Heidelberg aufgeführt wurden. Noch in demselben Jahr schrieb er für Philipps ältesten Sohn Ludwig seine 'Agatharcia', einen Fürstenspiegel, der vor allem auch die Pflege von Bildung und Wissenschaft zu den vorrangigen Pflichten eines Fürsten zählt. Beide Schriften wurden 1498 bei Martin Schott in Straßburg gedruckt.

    Nach 1501 orientierte sich Wimpfeling vor allem an der Reichspolitik Maximilians und betonte den Gedanken der deutschen Nation. Mit seiner Schrift 'Germanica', in der sich die Deutschen zuallerst "als Deutsche erkennen" sollen (Mertens S. 42), begründete Wimpfeling einen nationalbewußten Humanismus in Deutschland. In dieser Zeit setzte er sich auch zunehmend für eine Reform des Kirchenwesens ein, der ihm bei Erasmus das Lob als "Mahner der Priester" (Mertens S. 36) einbrachte. Trotz dieser Bemühungen lehnte er später die Reformation Luthers ab. Zeit seines Lebens hat Wimpfeling polarisiert und in seinen Schriften zahlreiche Kämpfe ausgetragen. Zu seinen Widersachern zählten sowohl katholische als auch reformatorische Kräfte wie z.B. der Orden der Augustiner-Eremiten, Thomas Murner, Jakob Locher und schließlich auch Martin Luther.

    Obwohl Wimpfeling in erster Linie ein lateinischer Autor war, sind von ihm einzelne deutschsprachige Übersetzungen erhalten, die er im Auftrag oder auf Anregung einzelner Mitglieder befreundeter Fürstenhöfe schrieb. So widmete er am 13. Dezember 1500 dem Bischof von Worms und Kanzler am pfälzischen Hof Friedrich von Dalberg seine Übersetzung von Filippo Beroaldos Traktat 'De tribus fratribus', in dem ein Trunkenbold, ein Lüstling und ein Spieler um den ersten Rang bezüglich ihrer Schlechtigkeit streiten.

    Wimpfelings Übersetzungsleistung ist bislang noch nicht näher untersucht worden und bleibt ein dringendes Forschungsdesiderat.

    Verf.: js / cbk.

    Literatur:

    Württemberg im Spätmittelalter. Katalog bearb. von J. Fischer, P. Amelung u. W. Irtenkauf, Stuttgart 1985, Nr. 50.
    Jakob Wimpfeling: Briefwechsel. Eingeleitet, kommentiert und hg. v. O. Herding und D. Mertens. 2 Bde. München 1990, 101-113.
    Knepper, J.: Jakob Wimpfeling (1450-1528). Sein Leben und seine Werke. Freiburg 1902 (Neudruck Nieuwkoop 1965).
    Mertens, D.: Wimpfeling, Jakob. In: LexMA 9 (1999), Sp. 222f.
    Mertens, D.: Jakob Wimpfeling (1450-1528). Pädagogischer Humanismus. In: Schmidt, P. G. (Hg.): Humanismus im Deutschen Südwesten. Biographische Profile. Stuttgart 2000, S. 35-57.

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    Quelle: Jakob Wimpfeling: Argentinensium Episcoporum cathologus; Straßburg: Johann Grüninger, 1508, Titelverso.

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    Wimpfeling im Kreis seiner Schüler auf dem Titelblatt der 'Defensio Germaniae'. Quelle: München, BSB, Res/4 Germ.g. 218,3, Bl. 1a.

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    Quelle: Jakob Wimpfeling: Ad illustrissimum Principem Eberardum: wyrtenbergensem: Theccensemq[ue] ducem Carmen Heroicum. Hecatosthicon. [...]. Straßburg: Johann Prüß, [nicht vor dem 1. Aug.] 1495 = GW M51644, Bl. 1a.

    Version vom 09. 08. 2012 (MRFH). Permanent Link: mrfh.de/0040.