MRFHMarburger Repertorium zur
Übersetzungsliteratur im deutschen Frühhumanismus

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Johann Sieder

MRFH 0034

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[ Literaturverzeichnis ]

Zeittafel

  • Sommersemester 1479: Immatrikulation als Kleriker der Diözese Würzburg an der Universität Köln

  • 1481: Baccalaureus

  • 1484: Kanoniker des Würzburger Stifts Neumünster

  • 1487: Magister

  • 1489: Zeuge eines Schiedsspruchs des Würzburger Generalvikars Kilian von Bibra

  • 1500-1502: Sekretär des Würzburger Bischofs Lorenz von Bibra

  • 1519: vor dem September 1519 gestorben


Leben und Werk

Johann Sieder studierte an der Kölner Universität und schloss sein Studium 1487 mit dem Magister ab. Bereits 1484 wird er als Kanoniker des Würzburger Stifts Neumünster genannt und ist zumindest in den Jahren 1500 bis 1502 als Sekretär des Würzburger Bischofs Lorenz von Bibra bezeugt. Vor dem September 1519 muß er verstorben sein.

Drei antike Übersetzungen sind von Johannes Sieder überliefert: die 'Metamorphosen' des Apuleius und Lukians 'Verae Historiae', die er 1500 Johann von Dalberg widmete sowie Plutarchs 'Vitae parallelae', die er 1502 an Kaiser Maximilian I. adressierte. Von diesen Werken gelangte nur Sieders Apuleius-Übersetzung 'Vom goldenen Esel' zum Druck. Sein Bruder Johann Lucas, der schon seit Maximilian in hohen kaiserlichen Diensten stand (vgl. Worstbrock, 2012, S. 363f.), ließ die Schrift 1538 bei Alexander Weissenhorn in Augsburg drucken und mit 78 Holzschnitten reich illustrieren.

Neben diesen drei antiken Übersetzungen hat Johann Sieder noch weitere Texte ins Deutsche übetragen, die sich offenbar nicht erhalten haben. In einer Widmung an Sieders Bruder Johann Lucas rühmt der kaiserlicher Rat Jakob Spiegel 1519 das Werk Sieders und erwähnt neben den bekannten Schriften noch zwei weitere Übersetzungen: Quanquam in libris abunde testimonij est quam probe frater calluerit latine, quos nostratem in linguam feliciter vertit. [...] vt praeteream, quos e Iosephi hebraei (...) atque Christiani Ciceronis Lactantij Firmiani libris, eadem felicitate germanis auribus donauit. "Die Bücher, die er mit Erfolg in unsere Sprache übersetzt hat, bezeugen reichlich, wie gut er im Lateinischen bewandert war. [...] Nicht zu erwähnen jene, die er von Werken des Flavius Josephus (...) und des Laktanz, des christlichen Cicero, den deutschen Hörern geschenkt hat." (zitiert u. übers. nach Worstbrock, 2012, S. 364).

Darüber hinaus bezeugt das königliche Druckprivileg, das Kaiser Ferdinand 1535 Johann Lucas, für die posthume Veröffentlichung der Übersetzungen seines Bruders erteilte, drei weitere Werke Sieders. Zusammen mit dem 'Goldenen Esel' des Apuleius erwähnt das Privileg noch die darüber gemachten Commentarien vnd außlegung/ des hochberümbten Schribenten Philippi Beroaldi [...] /desgleichen Plinium. Eusebium. Auch diese Übersetzungen Sieders sind offenbar verloren. Führt man die überlieferten Texte und die literarischen Zeugnisse zusammen, so "umfasste das Übersetzungswerk Sieders einst mindestens acht Stücke" (ebd. S. 365). Damit zählt Johann Sieder zu den bedeutendsten Autoren, die in der Frühzeit antike Autoren ins Deutsche übertrugen.

Verf.: cbk / fb.

Schreiber von Handschriften:

Literatur:

Worstbrock, F.J.: Zu Leben und Werk des Übersetzers Johann Sieder. In: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 141 (1212), S. 362-366.
Worstbrock, F. J.: Sieder, Johann. In: 2VL 8 (1992), Sp. 1195-1199.

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Quelle: Digitalisierung des Göttinger Exemplars.

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Quelle: Unterkircher, F.: Maximilian I. Ein kaiserlicher Auftraggeber illustrierter Handschriften (Jahresgabe Maximilian-Gesellschaft 1982/83). Stuttgart 1983, Abb. 86.

Version vom 11. 10. 2012 (MRFH). Permanent Link: mrfh.de/0034.