MRFHMarburger Repertorium zur
Übersetzungsliteratur im deutschen Frühhumanismus

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Andechs, Bendiktinerkloster

MRFH 0140

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Die Ursprünge des Andechser Benediktinerklosters gehen auf die Andechs-Meranier, ein bayerisches Grafengeschlecht, zurück, das unter den Staufern die Herzogswürde erlangte und mit Bertold IV. (gest. 1204) zu den mächtigsten Fürsten im Reich aufstieg. Im Jahre 1248 starb das Geschlecht in männlicher Linie jedoch aus und und ihre Stammburg auf dem Berg Andechs fiel samt ihren bayerischen Besitzungen am Ammer- und Starnberger See an den Wittelsbacher Otto II., der die Burg vermutlich schon im Jahr 1246 schleifen ließ.

Die Gründung der Burg im 10. Jahrhundert soll der Legende nach auf den Grafen Rasso von Andechs-Dießen zurückgehen, der aus dem Heiligen Land auch den Grundstock des Reliquienschatzes (den sog. 'Andechser Heiltumsschatz') mitbrachte und mit dessen Verehrung Anfang des 12. Jahrhunderts die erste Wallfahrt in Bayern begründet wurde. Noch vor der Einnahme durch die Wittelsbacher wurde der Reliquienschatz versteckt. Erst rund hundertfünfzig Jahre später (im Mai 1388) wurde der Schatz während einer Grabung unter dem Altar der Burgkapelle gehoben, woraufhin er nach München geschafft und vier Jahre später (im Jahr der Bayerischen Landesteilung 1392) in der herzoglichen Residenz zur Verehrung ausgestellt wurde. Seit dieser Zeit weisen verschiedene Stiftungen auf den Versuch hin, in Andechs ein Benediktinerkloster zu etablieren.

Ab 1416 wurde die Betreuung der Andechser Wallfahrt von den Augustiner-Chorherren von Dießen, dem ehem. Hauskloster der Andechs-Meranier, übernommen. Mittels Pilgerspenden und der Unterstützung durch Herzog Ernst von Bayern-München wurde etwa zeitgleich eine dreischiffige Hallenkirche errichtet, die den Kern der späteren Klosterkirche bilden sollte, die den 'Heiltumsschatz' bis heute bewahrt. Ein Stiftungsbrief weist auf die Errichtung eines Chorherrenstifts im Todesjahr des Herzogs 1438 hin. Herzog Ernsts Sohn, Albrecht III. von Bayern, betrieb mit Nikolaus von Cues eine Klosterreform, in deren Kontext 1455 der Andechser Chorherrenstift in eine Benediktinerabtei umgewandelt wurde. Die ersten Mönche kamen aus einem Reformkloster vom Tegernsee. Nachdem sich Herzog Albrecht 1460 in Andechs hatte beisetzen lassen, gelangte das Kloster bis zum 16. Jahrhundert zu Wohlstand und kultureller Blüte.

Die Bestände des Klosterarchivs wurden nach der Säkularisation aufgelöst und befinden sich derzeit zum Großteil im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München. Auch in der Bayerischen Staatsbibliothek werden Bestände der ehemaligen Klosterbibliothek (so z.B. das 'Andechser Missale' Clm 3005) aufbewahrt. Unter den Büchern des Klosters befand sich u.a. ein Exemplar der Erstausgabe von Schedels 'Weltchronik' in der deutschen Übersetzung Georg Alts.

Verf.: bjk / cbk.

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Literatur:

Bauer, H. / Bauer, A.: Klöster in Bayern. Eine Kunst- und Kulturgeschichte. München 1985, S. 44-49.
Fox, A.: Das Benediktinerkloster Andechs zwischen Säkularisation und Wiederbegründung. In: Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte 56 (1993), S. 341-458.
Herzöge und Heilige. Das Geschlecht der Andechs-Meranier im europäischen Hochmittelalter, hg. v. J. Kirmeyer u. E. Brockhoff mit einem Beitrag von A. Schütz (Veröfftl. zur Bayer. Gesch. u. Kultur 24/93), München 1993.
Hlawitschka, E. / Hlawitschka-Roth, E.: Andechser Anfänge. Beiträge zur frühen Geschichte des Klosters Andechs (Andechser Reihe 4). St. Ottilien 2000.
Lankes, C.: Klöster in Bayern: Andechs. In: Haus der Bayerischen Geschichte Augsburg. Hg. vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft (digital).
Meßmer, E.: Grafrath und die Anfänge von Dießen und Andechs. Neue Bewertung und Auswertung der Quellen über frühe Zusammenhänge. In: Oberbayerisches Archiv 133 (2009), S. 161-246.
Rall, H.: Albrecht III., der Gütige. In: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 156f.
Störmer, W.: Otto II. der Erlauchte. In: Neue Deutsche Biographie 19 (1998), S. 673-674.
Version vom 23. 08. 2012 (MRFH). Permanent Link: mrfh.de/0140.