MR Übersetzungsliteratur
im dt. Frühhumanismus

MRFHMarburger Repertorium zur
Übersetzungsliteratur im deutschen Frühhumanismus

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    Sebald Schreyer

    Dedikationen

    Georg Alt: Schedelsche Weltchronik

    Zeittafel

  • *9. Juni 1446 in Nürnberg

  • 21. August 1475 Heirat mit der Schwester Sebastian Kammermeisters Margarethe

  • 1471 u. 1472 Wappenverleihung durch Friedrich III.

  • 1482-1503 Kirchenpfleger von St. Sebald

  • †22. Mai 1520 in Nürnberg
  • Leben

    Sebald Schreyer entstammt der zweiten Ehe des Nürnberger Pelzhändlers Hans Schreyer. Da er zunächst für den Priesterberuf vorgesehen war, wurde Schreyer auf eine Schule im oberpfälzischen Amberg geschickt. 1460 immatrikulierte er sich jedoch an der Universität Leipzig, wo er 1462 das Bakkalaureat erwarb. Anschließend arbeitete er unter seinem Stiefbruder Stephan Schreyer im Pelzhandel, bevor er 1471-75 am Hof Kaiser Friedrichs III. diente. Erst danach wurde er in Nürnberg sesshaft, wo er durch die Ehe mit der Patriziertochter Margarethe Kammermeister gesellschaftlich aufstieg. So wurde er 1477 auch als Genannter in den Nürnberger Rat aufgenommen, dem er bis 1486 in unterschiedlichen Funktionen diente. Als Kirchenpfleger zu St. Sebald zeichnete er sich neben dem Kirchenausbau besonders durch die Erweiterung und die Katalogisierung der Kirchenbibliothek aus. Zudem ließ er in St. Sebald für sich und seinen Neffen Matthäus Landauer einen Epitaph anbringen, auf dem er als Stifter abgebildet ist. Schreyer erwarb sich bis zu seinem Tod 1520 ein großes Vermögen, von dem er unter anderem eine weitere Pfarrstelle zu St. Sebald stiftete und das Große Almosen der abkommen Bürger unterstützte.

    Sebald Schreyer wirkte über lange Zeit als Förderer von Kunst und Wissenschaft. Bereits 1488 unterstützte er die zweisprachige Nieronbergensis cronica Sigismund Meisterlins, in der er Teile seiner eigenen Familiengeschichte einbauen ließ. Zudem arbeiteten Schreyer und Meisterlin bei der Katalogisierung der Kirchenbibliothek von St. Sebald zusammen. Herausragend ist aber sicherlich Schreyers Initiative bei der Entstehung des 'Liber chronicarum' Hartmann Schedels und dessen Übersetzung durch Georg Alt. Gemeinsam mit seinem Schwager Sebastian Kammermeister schloss Schreyer 1491 den ersten Vertrag zur Drucklegung des Werkes mit dem Drucker Anton Koberger und den Illustratoren Michael Wolgemut und Wilhelm Pleydenwurff, wobei die Vorarbeiten wohl bereits 1488 begonnen hatten. Ebenfalls vertraglich abgesichert förderte Schreyer 1493-97 den 'Archetypus triumphantis Romae' des Nürnberger Juristen Peter Danhauser, jedoch wurde das Projekt — vermutlich aufgrund des nun absehbaren wirtschaftlichen Misserfolgs der 'Weltchronik' — kurz vor der Drucklegung aufgehoben. In besonders engem Kontakt stand Schreyer zudem mit Conrad Celtis, der während seiner Nürnberg-Aufenthalte bei Schreyer wohnte und mit diesem später in regelmäßigem Briefkontakt stand. Mit Celtis hatte Schreyer bereits 1493 einen Vertrag zur Überarbeitung des 'Liber chronicarum' abgeschlossen, der jedoch wirkungslos blieb.

    Ein Exemplar der Erstausgabe von Schedels 'Weltchronik' in der deutschen Übersetzung Georg Alts weist auf dem Eingangsbild (Verso von Fol. j) die eingemalten Wappen von Sebald Schreyer und seinem Schwager Sebastian Kammermeister auf, der kinderlos war und dessen Erbe über Schreyers Ehefrau an seinen Schwager kam.

    Verf.: js.

    Besitzer von Drucken:

    Literatur:

    Caesar, E.: Sebald Schreyer, ein Lebensbild aus dem vorreformatorischen Nürnberg. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg 56 (1969), S. 1-213.
    Reske, C.: Die Produktion der Schedelschen Weltchronik in Nürnberg. Wiesbaden 2000, S. 39.
    Schneider, J.: Schreyer, Sebald. In: NDB 23 (2007), S. 546-547.

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    Allianzwappen Sebald Schreyers, bestehend aus den Familienwappen der Schreyer (links) u. Kammermeister (rechts). Quelle: Rücker, E.: Hartmann Schedels Weltchronik. Das größte Buchunternehmen der Dürer-Zeit. Mit einem Katalog der Städteansichten. München 1988, S. 85.

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    Schreyer-Landauer-Epitaph in St. Sebald. Quelle: Lutze, E.: Die Nürnberger Pfarrkirchen Sankt Sebald und Sankt Lorenz (Deutsche Dome). Berlin 1939, Abb. 22.

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    Stifterbild Sebald Schreyers und seiner Frau auf dem Schreyer-Landauer-Epitaph. Quelle: Lutze, E.: Die Nürnberger Pfarrkirchen Sankt Sebald und Sankt Lorenz (Deutsche Dome). Berlin 1939, Abb. 21 (Detail).

    Bildgroßansicht

    Sebald Schreyer. Teilausschnitt aus dem Salbuch des Nürnberger Sebastianspitals. Quelle: Eser, T. / GREBE, A.: Heilige und Hasen. Bücherschätze der Dürerzeit. Nürnberg 2008, S. 103.

    Version vom 30. 08. 2012 (MRFH). Permanent Link: mrfh.de/2330.