MR Übersetzungsliteratur
im dt. Frühhumanismus

MRFHMarburger Repertorium zur
Übersetzungsliteratur im deutschen Frühhumanismus

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Johannes Protzer

Der humanistisch gebildete Johannes Protzer (um 1470-1528) "entstammt einem alteingesessenen Nördlinger Ratsherren- und Bürgermeistergeschlecht" Voges, S. 97). Er studierte 1487/88 zunächst in Ingolstadt und setzte dann sein juristisches Studium in Italien fort, das er mit dem Doktor beider Rechte abschloss. 1500 kehrte er nach Nördlingen zurück, zog aber nach seiner Vermählung alsbald nach Nürnberg, wo er 1507 auf Lebenszeit als Consulent in das Nürnberger Stadtgericht gewählt wurde. Ab 1509 war er auch Genannter des großen Rats in Nürnberg. 1528 ist er verstorben.

Johannes Protzer besaß eine umfangreiche Bibliothek, zu der vor allem Inkunabeln zählten, die er zum großen Teil bereits während seines Studiums in Italien erworben hatte, wie seine Besitzeinträge aus dieser Zeit mitteilen. So besaß er u.a. venezianische Ausgaben der Institutiones Justinians, der Grammatik des Franziscus Niger sowie eine kommentierte Erstausgabe des Priscian von 1488, alle in Paduaner Einbänden von 1490, darüber hinaus die aus dem Griechischen von Lapus Biragus übersetzten 'Antiquitates Romanae' des Dionysius in der Treviser Erstausgabe von 1480 und Filippo Beroaldos 'De felicitate' in dem Bologneser Druck von 1495. Protzer vermachte seine rund 300 Bände umfassende Bibliothek seiner Vaterstadt Nördlingen, wo sie teils in der Ratsbibliothek (176 Bde), teils in der Kirchenbibliothek St. Georg (144 Bde) aufbewahrt wurden. 1859 verkaufte Nördlingen einen Großteil des Bestandes, insbesondere der Ratsbibliothek, so dass heute die ehemals aus dem Besitz Protzers stammenden Bücher über die ganze Welt verteilt sind. An deutschsprachigen Werken waren aus Protzers Bibliothek bislang nur Das Bayrisch Landrecht und Der stat Nüernberg Reformacion bekannt (vgl. Amelung S. 281). Hinzu kommt jetzt noch das 'Weinbuch' Wilhelms von Hirnkofen (Erstausgabe: Esslingen, Conrad Fyner, 1478), das übrigens zu den Büchern gehört, die sich heute noch in der Kirchenbibliothek St. Georg in Nördlingen befinden.

Verf.: cbk.

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Literatur:

Amelung, P: Nochmals zur Bibliothek des Johannes Protzer aus Nördlingen: ein ergänzender Beitrag zur Kenntnis spätmittelalterlicher Büchersammlungen. In: Gutenberg Jahrbuch 1981, S. 277-283.
Hobson, A.R.A: A German Student in Italy: His Books and Bindings. In: Mélanges d'historie de la reliure offerts à Georges Colin, hrsg. v. Cl. Sorgeloos, Brussel 1998, S. 87-99.
Voges, D.-H.: Nördlingen. In: Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland: Bayern I-R, hrsg. v. E. Dünninger, berab. v. I. Holtmeier, Hildeheim 1996, S.97-104.
Wagner, B.: Nürnberger Büchersammler um 1500. Inkunabeln aus dem Besitz von Christoph Scheurl und einigen seiner Zeitgenossen in Oxforder Bibliotheken. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg 82 (1995), S. 69-87.

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Besitzeintrag. Quelle: Nördlingen, K, D LXV / 4

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Besitzeintrag. Quelle: Antiquariat Christie's, Lot 55 / Sale 6704 (26. März 2003).

Version vom 17. 01. 2013 (MRFH). Permanent Link: mrfh.de/2990.