MR Übersetzungsliteratur
im dt. Frühhumanismus

MRFHMarburger Repertorium zur
Übersetzungsliteratur im deutschen Frühhumanismus

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Hans Winter

Auf dem Registerblatt des Wolfenbütteler Exemplars eines Sammeldrucks Johann Bämlers von 1472 (MRFH 20990), der unter anderem SteinhöwelsGriseldis‘ enthält, nennt sich als erster Besitzer: Hanß winter 1501 Jar. Als zweiter Besitzer hat sich 1519 Albrecht Letscher aus Nürnberg, Genannter des Gr. Rats, eingetragen. Beide Männer standen in näherer Verbindung zu dem Nürnberger Patrizier, Ratsbaumeister und Kaufmann Michael Beheim († 1511), der 1489 das Amt des Bürgermeisters in Nürnberg bekleidete.

Hans Winter, der aus einer Augsburger Kaufmannsfamilie stammte, hatte offenbar enge geschäftlichen Beziehungen zu Michael Beheim, da beide, wie aus den Akten des Reichskammergericht zu Handelsprozessen Nürnberger Bürger hervorgeht, zeitweilig unter Arrest standen, der 1503 jedoch wieder aufgehoben wurde (Schaper, S. 112, Nr. 13498). Darüber hinaus sind beide Familien durch Connubium mit einander verbunden. Hans Winters Tochter Margarethe ehelichte 1486 Michael Beheim, ihr Familienwappen (ein aufsteigendes Einhorn auf blau-gold geteiltem Schild) wurde daher auch als kleineres Beiwappen 1504 dem Wappen des Michael Beheim im Patrizierfenster an der Südseite der St. Lorenzkirche in Nürnberg beigefügt (vgl. Fehring/Ress, S. 102).

Dieses Wappen wurde Hans Winter für sich und seine Nachkommen am 19. August 1471 durch einen Wappenbrief Friedrichs III. verliehen. In diesem Brief wird eine detaillierte Beschreibung von Wappen und Helmzier gegeben: Mit namen einen schilde in der mitte uberzwirch geteilt, das under teil gelb und das ober blab darinn ein eingehurn mit verwechslung der farbn geschickht zu dem sprung und den helm gezieret mit einer gelbn und blaben helmendeckhn und einer gewundn pindn derselbn farben, darauf ein vorderteil eins gelbn eingehurns mit seinen vordern aufgeworffen füssen[...] (Chmel 6427).

Aus der Ehe von Michael Beheim und Margarethe Winter ging u.a. die Tochter Lucia hervor, die später den Nürnberger Kaufmann Albrecht Letscher heiratete, in dessen Besitz 1519 die Inkunabel mit Steinhöwels ‚Griseldis‘ überging.

Verf.: jes / cbk.

Besitzer von Drucken:

Literatur:

Chmel Nr. 6427. In: Regesta Imperii (online).
Fehring, G.P./Ress, A: Die Stadt Nürnberg. Kurzinventar. (Bayerische Kunstdenkmale, Bd. 10), München 1961, S.102.
Fleischmann, P.: Rat und Patriziat in Nürnberg. Die Herrschaft der Ratsgeschlechter vom 13. bis zum 18. Jahrhundert. 3 Bde. (Nürnberger Forschungen 31). Neustadt a. d. Aisch 2007, insbes. Bd. 2, S. 323.
Stammtafel Michael Beheim (Beh-28e).
Pültz, O.: Die deutschen Handschriften der Universitätsbibliothek Erlangen. Neu beschrieben (Katalog der Handschriften der Universitätsbibliothek Erlangen 4). Wiesbaden 1973, insbes. S. 74.
Schaper, C.: Handelsprozesse Nürnberger Bürger vor dem Reichskammergericht. In: Schneider, J. (Hg.): Wirtschaftskräfte und Wirtschaftswege V (Beiträge zur Wirtschaftsgeschichte 8). Stuttgart 1981, S. 93-133, insbes. S. 112, Nr. 13498.
Scheurl, A.: Christoph Scheurl, Dr. Christoph Scheurls Vater. Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg. Fünftes Heft. 1884, S. 13-46 (online).
Siebmacher, J.: Wappenbuch. Der abgestorbene Bayerische Adel. Bd. VI.1, Nürnberg 1907, S. 143.
Urkunden und Akten der ehemaligen Reichsstadt Schwäbisch Gmünd 777 bis 1500. Bearbeitet von Alfons Nitsch. I. Teil 777 bis 1450. Schwäbisch Gmünd 1966, insbes. S. 128f., Nr. 731.
Urkunden und Akten der ehemaligen Reichsstadt Schwäbisch Gmünd 777 bis 1500. Bearbeitet von Alfons Nitsch. Mit Beiträgen von Max Miller und Albert Deibele. II. Teil 1451 bis 1500. Schwäbisch Gmünd 1967, insbes. S. 97, , Nr. 1917.

Bildgroßansicht

Wappen Michael Beheims mit Beiwappen seiner Gemahlin Margarethe Winter (Einhorn auf blau-goldenem Grund). Quelle: Peter, B. / Ramsauer, G. / Hoffmann, A.: Photos schöner alter Wappen Nr. 1421 (St. Lorenz in Nürnberg). (online)

Version vom 09. 11. 2012 (MRFH). Permanent Link: mrfh.de/2830.