MR Übersetzungsliteratur
im dt. Frühhumanismus

MRFHMarburger Repertorium zur
Übersetzungsliteratur im deutschen Frühhumanismus

[ © Copyright und Zitierweise ]
Für Suchmaschinen: Inkunabeln Wiegendrucke Handschriften Frühhumanismus Steinh÷wel Wyle Eyb Boccaccio Petrarca Piccolomini prehumanism manuscripts manuscrits incunabula incunables

Hieronymus Winckelhofer

Das Geschlecht Winckelhofer, das sich bereits seit der Mitte des 13. Jahrhunderts nachweisen lässt, gehört zum ältesten Stadtadel in Ehingen und verfügte schon früh über ein eigenes Wappen (goldene Lilie auf blauem Grund) und Siegel. Die Familie hatte wichtige geistliche und politische Ämter inne, sie stellte Bürgermeister, Pröpste und Äbte in Ehingen und benachbarten Klöstern.

Hieronymus Winckelhofer (1469-1538) studierte in Tübingen zunächst geistliches und weltliches Recht, danach schloss er ein Studium der Theologie an und wurde zum Priester geweiht. 1498 war er Kaplan am St. Andreas-Altar des Hospitals in Ulm, 1500 Priester zu St. Mang in Kempten, 1506 erhielt er als Dank für seine juristischen Dienste die Pfarrei Nasgenstadt, die dem Ehinger Spital inkorporiert war. Die meiste Zeit hielt er sich aber nicht in seiner Heimatstadt Ehingen auf, sondern bekleidete eine Reihe weiterer hoher Ämter, die ihn oft nach Tirol führten. Abgesehen von seiner Stellung als Kanonikus des Stifts Inichen war er päpstlicher Vicepfalzgraf (vicecomes palatinus) und Hofkaplan Kaiser Maximilians I. (vgl. Otto, S. 36 u. Hehle (1925), S. 122f.).

Seine aus 72 Bänden bestehende Büchersammlung vermachte Hieronymus Winckelhofer der von ihm gestifteten Hieronymuskaplanei an der St. Michaelskapelle zu Ehingen. Ein Teil dieser Sammlung kam später in das niederösterreichische Zisterzienserkloster Lilienfeld, einige Bücher gelangten von dort in die Wiener Hofbibliothek. Die Bücher tragen alle Winckelhofers Schenkungsvermerk, so auch der heute in Besançon aufbewahrte Sammelband mit lateinischen Werken Jacob Lochers und Sebastian Brants lat.-dt. Thesmophagia.

Verf.: cbk.

Besitzer von Drucken:

Literatur:

Gottlieb, T.: Drei alte Bücherzeichen. In: Jahrbuch der Österreichischen Exlibris-Gesellschaft 9 (1911), S. 38-59, insbes. S. 38-47.
Hehle, J.: Die Patrizierfamilie der Winckelhofer. In: Württembergische Vierteljahresschrift für Landesgeschichte 3 (1880), S. 48-55 u. S. 132-135.
Hehle, J.: Geschichtliche Forschungen über Ehingen und Umgegend. Ehingen a.D. 1925, insbes. S. 98-100 u. S. 122-146.
Otto, M.: Die Winckelhofer-Scheiben im Rathaus von Ehingen an der Donau. In: Schwäbische Heimat 33/1 (1982), S. 34-42 (online).

Bildgroßansicht

Bildlegende der Maria mit Kind und dem Heiligen Hieronymus: Diese Glasmalerei, entstanden im Jahre 1500, zeigt die Madonna im Strahlenkreuz und den Hl. Hieronymus. Vor ihm kniet der Stifter des Bildes, der Priester Hieronymus Winckelhofer. Heutiger Standort: Brixen (I), Lachmüller Haus (großer Graben 33, Hauskapelle).

Version vom 16. 08. 2012 (MRFH). Permanent Link: mrfh.de/2827.