MR Übersetzungsliteratur
im dt. Frühhumanismus

MRFHMarburger Repertorium zur
Übersetzungsliteratur im deutschen Frühhumanismus

[ © Copyright und Zitierweise ]
Für Suchmaschinen: Inkunabeln Wiegendrucke Handschriften Frühhumanismus Steinh÷wel Wyle Eyb Boccaccio Petrarca Piccolomini prehumanism manuscripts manuscrits incunabula incunables

Wilten, Prämonstratenserkloster

Das Prämonstratenser-Chorherrenstift Wilten in Tirol wurde 1138 durch Bischof Reginbert von Brixen gegründet, der ein in Wilten bestehendes Kollegiatstift dem Prämonstratenserorden übergab. Die päpstliche Bestätigung von Innozenz II. folgte noch im selben Jahr. Die Forderung nach Bildung und der Pflege einer bibliothekarischen Tradition sind in den Statuten der Prämonstratenser fest verankert. Bereits im Jahr 1230 verfügte das Wiltener Kloster über eine Schule zur Förderung des eigenen Nachwuchses. Im 14. Jahrhundert lässt sich der Besuch Wiltener Mönche an der Universität von Bologna nachweisen. Von neun Äbten, die dem Stift im 15. Jahrhundert vorstanden, erhielten mindestens vier ihre Ausbildung an der Wiener Universität. So verwundert es kaum, dass die Klosterbibliothek während des 14. und 15. Jahrhunderts eine besondere Blüte erlebte. Unter Abt Alexius Stoll (1470-1492) wurde die Bibliothek sogar grundlegend erneuert. Dies lag zum einen daran, dass die Bücher unter dem Abt eine intensive Pflege erfuhren und zum anderen daran, dass mit der Erfindung des Buchdrucks der Bücherbestand rapide anstieg. Begründet wird die große Zahl der angekauften Inkunabeln durch den hohen Verschleiß, den die Bücher im Wiltener Schulbetrieb erfuhren. Zudem lag das Kloster am Haupthandelsweg, der zwischen Venedig und Augsburg (wichtigen Zentren des frühen Buchdrucks) entlang führte und verfügte über geeignete finanzielle Mittel.

Auch heute noch ist die Wiltener Inkunabelsammlung „mit ca. 250 Bänden eine der umfangreichsten in Tirol“ (Neuhauser 1988, S. 83). Obwohl 1807 mit der formalen Aufhebung des Klosters der Buchbestand an die Münchner Hofbibliothek und die Universitätsbibliothek Innsbruck fiel (wo sich auch eine Inkunabel mit der deutschen Übersetzung des Ruralium commodorum libri XII des Petrus de Crescentiis mit Wiltener Provenienzeintrag befindet), kamen 1815 mit der Rückkehr Tirols zu Österreich und der damit verbundenen Wiedererrichtung des Klosters zumindest Großteile des ursprünglichen Klosterbestands zurück in die Wiltener Bibliothek.

Verf.: bjk.

Besitzer von Drucken:

Literatur:

Caramelle, F.: Die Stifte und Klöster Tirols. Innsbruck 1985, S. 47-58.
Halder, K.: Die Geschichte des Stifts Wilten seit 1138. In: 850 Jahre Prämonstratenser Chorherrenstift Wilten. Innsbruck 21989, S. 19-60.
Kompatscher Gufler, G. / Mairhofer, D. / Schretter, C.: Katalog der mittelalterlichen Handschriften der Bibliothek des Prämonstratenser Chorherrenstiftes Wilten (Österreichische Akademie der Wissenschaften, phil.-hist. Klasse, Denkschriften 425; Veröffentlichungen der Kommission für Schrift- und Buchwesen des Mittelalters II,10). Wien 2012.
Neuhauser, W.: Bibliotheca Wilthinensis. Die Wiltener Stiftsbibliothek in Vergangenheit und Gegenwart. Ein Beitrag der Universitätsbibliothek Innsbruck anläßlich des 850-Jahr-Jubiläums des Stiftes Wilten (Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft, Sonderheft 63). Innsbruck 1988.
Neuhauser, W.: Geschichte und Bedeutung der Wiltener Bibliothek. In: 850 Jahre Prämonstratenser Chorherrenstift Wilten. Innsbruck 21989, S. 269-292.
Schomers, F. N.: Prämonstratenser-Chorherrenstift Wilten in Innsbruck. Passau 2009.
Version vom 12. 09. 2012 (MRFH). Permanent Link: mrfh.de/2825.