MR Übersetzungsliteratur
im dt. Frühhumanismus

MRFHMarburger Repertorium zur
Übersetzungsliteratur im deutschen Frühhumanismus

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Hans Jakob Schellang

Im Allgäu und im Bodensseraum lassen sich verschiedene Linien des Ritter- bzw. Patriziergeschlechts Schellang nachweisen. Sowohl in Ravensburg wie in Kempten gehörte das Geschlecht zur politischen Elite und stellte im 15. und 16. Jahrhundert mehrere Bürgermeister.

Der Vorname Jacob ist nur für Mitglieder der Ravensburger Linie ab 1420 nachgewiesen, als Jakob Schellang hier das Bürgerrecht erwarb. Mit Barbara Humpissin heiratete er in eine der mächtigsten Kleinratsfamilien in Ravensburg ein. Seit 1440 tritt er in verschiedenen Funktionen für die Stadt auf. So ist er 1441/42 einer der fünf Städtehauptleute des Hegauzuges, eines militärischen Städtebündnisses unter Führung der Reichsstadt Ulm gegen Hans von Rechberg. Als Mitglied des Rats tritt er als Beisitzer und Schlichter auf (HStA Stuttgart B 123 Ma U 15 u. B 471 U 68); mehrfach ist er auch als Bürge bezeugt (Dreher, S. 213, 253 u. 272). 1451 kommt als österreichisches Lehen Schloss und Besitz Hassenstein im Gebiet des Klosters Weingarten an Jakob Schellang und seine Nachkommen (Carst, S. 267). Um 1460 ist Jacob Schellang (I.) verstorben.

Sein gleichnamiger Sohn heiratete die Ravensburger Patrizierin Ursula Schriberin und nahm ebenfalls wichtige öffentliche Ämter wahr. So war er mehrfach Stadtamman (u.a. 1479/80 und 1486-89). Auf Seiten der Habsburger kämpfte er gegen Karl den Kühnen von Burgund und kehrte 1475 mit einem kaiserlichen Empfehlungsschreiben für seine geleisteten Dienste als Hauptmann in seine Heimatstadt zurück. Jakob Schellang (II.), der zwischen 1500 und 1502 verstorben sein muss, ist als Gesandter der Stadt Ravensburg 1472-74 in mehreren Urkunden Friedrichs III. bezeugt (Regesta Imperii CA-31, 2-139, 2-141 u. 2-154). Er und seine Nachkommen gehörten zu den fünfzehn Kleinratsfamilien, die traditionell in der Gesellschaft 'zum Esel' organisiert waren. Sie waren Mitglieder der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft, deren Stütze das Textilgewerbe war und die Fernhandel mit Italien und dem Orient betrieben. Jakob (II.) und seine Kinder verfügten über reichen Grundbesitz und ein beträchtliches Vermögen, das nach den Steuerlisten von 1473 bis 1503 jährlich zwischen 3456 und 5190 fl. betrug und damit zu den obersten Einkommen der Stadt zählte (s. Dreher, S. 223).

Der Besitzer von Wyles 'Translationen' dürfte im ausgehenden 15. Jahrhundert Hans Jakob Schellang, der Sohn von Jakob (II.) gewesen sein, der sich am Schluss des Stuttgarter Exemplars im ersten Eintrag nennt: hans jacob schellang ist das buoch. Wie sein Vater bekleidete auch er hohe Ämter in der Stadt und ist von 1498 bis 1505 als Bürgermeister bzw. Stadtamman von Ravensburg nachgewiesen. Er überlässt 1502 Graf Ulrich von Montfort-Tettnang 2000 Gulden, der ihm dafür 100 Gulden jährlichen Zins aus dem Dorf Liebenau und dem Hof Vorstenhüser bei Tettnang verspricht (HStA Stuttgart, B 123 II U 198). Enea Silvio Piccolominis rat wider die bulschafft, Wyles dritte Translatze, hat Hans Jakob Schellang jedoch wenig beherzigt, denn seine Liebeshändel mit verheirateten Frauen brachten ihn 1505 ins Gefängnis. 1509 gab er sein Bürgerrecht auf. Vermutlich ist er in die Dienste Kaiser Maximilians I. getreten, der ihn 1510 in seinen Schirm nimmt, d.h. dass Hans Jakob Schellang zukünftig in Streitsachen nur der Innsbrucker Regierung und in Güterprozessen dem Landvogt von Schwaben unterstehen sollte (vgl. Dreher, S. 148). In drei Urkunden, in denen er von 1512-1513 in Leibeigenschaftsangelegenheiten des Klosters Weingarten siegelt, wird er nunmehr als Junker Hans Jakob Schellang geführt (HStA Stuttgart, B 515 U 2747-48 u. U 2750). Da er nach 1513 nicht mehr urkundlich nachzuweisen ist, dürfte er kurz darauf verstorben sein.

Gwer Schellang, vermutlich Hans Jakobs Sohn, der nachfolgend in Angelegenheiten des Klosters Weingarten als Siegler auftritt (HStA Stuttgart, B 515 U 2778), wurde 1518 Bürger von Ravensburg, saß spätestens seit 1525 im Rat und gehörte wieder der Gesellschaft zum 'Esel' an. Wie sein Vater war er sowohl Stadtamman (1529-42) als auch Bürgermeister (1543-47 u. 1552-56). Um 1600 starben die Schellang in der Ravensburger Linie aus.

Verf.: cbk.

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Literatur:

Carst, F.: Süddeutscher Adelsheros oder Geschichte und Genealogie [...]. 2, Abt. Geneoalogie des ritterschaftlichen Adels, Stuttgart 1845, S. 267.
Dreher, A.: Das Patriziat der Stadt Ravensburg. Von den Anfängen bis zum Beginn des 19. Jahhrunderts, Stuttgart 1966, insb. S. 266-268.
Geographisch-statistisch-topographisches Lexikon von Schwaben, Bd. 1, Ulm 1800, Sp. 814.
LA Baden-Württemberg, HStA Stuttgart (online).
Regesta Imperii Ca 31: 2-139, 2-141, 2-154 (online).
Reinhard, W.: Oligarchische Verflechtung und Konfession in oberdeutschen Städten. In: Antoni Mączak (Hrsg.):
Klientelsystem im Europa der frühen Neuzeit (Schriften des Hist. Kollegs, Kolloquien 9), München 1988, S. 54.

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Siegel des Jakob Schellang. Quelle: Hauptstaatsarchiv Stuttgart, J 2 Nr. 268.

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Wappentafel zum Esel aus dem Gesellschaftshaus im Heimatmuseum (18. Jahrhundert). Quelle: Dreher, A.: Das Patriziat der Stadt Ravensburg. Von den Anfängen bis zum Beginn des 19. Jahhrunderts, Stuttgart 1966, nach S. 282.

Version vom 20. 04. 2014 (MRFH). Permanent Link: mrfh.de/2260.