MR Übersetzungsliteratur
im dt. Frühhumanismus

MRFHMarburger Repertorium zur
Übersetzungsliteratur im deutschen Frühhumanismus

[ © Copyright und Zitierweise ]
Für Suchmaschinen: Inkunabeln Wiegendrucke Handschriften Frühhumanismus Steinh÷wel Wyle Eyb Boccaccio Petrarca Piccolomini prehumanism manuscripts manuscrits incunabula incunables

Dominikanerinnenkloster Obermedlingen

Nahe der schwäbischen Alb, am Rande der Donauebene liegt das ehemalige Dominikanerinnenkloster Maria Himmelfahrt. Ein in der Klosterkirche eingemauerter Gedenkstein führt als Gründungsdatum das Jahr 1251 an. Urkundlich bestätigt wurde der neue Konvent 1263 in einer Bulle Papst Urbans IV. Das Obermedlinger Kloster wurde zur Entlastung des Mutterklosters Mödingen ins Leben gerufen und der deutschen Provinz des Dominikanerordens unterstellt. Den ersten Konvent bildeten 15 Mödinger Nonnen, die nach Obermedlingen beordert wurden.

Ende des 15. Jahrhunderts wurde der Konvent von der aus Ulm stammenden Priorin Margarethe Schleicher reformiert. Margarethe, die offenbar enge Kontakte zu Felix Fabri unterhielt, besaß ein Exemplar der von Leonhard von Utino verfassten und 1475 von Johann Zainer in Ulm gedruckten Sermones aurei de sanctis (BSB L-111), welches sie der Klosterbibliothek schenkte. Darüber hinaus befand sich im Obermedlinger Klosterbesitz die deutsche Erstausgabe der Komödien des Terenz, die auch die Übersetzung des 'Eunuchus' des Ulmer Patriziers Hans Neithart enthält (MRFH 21450). Unter der Leitung Margarethes wurde zudem die klösterliche Schreibkunst besonders gepflegt. So entstand im Skriptorium der Dominikanerinnen 1499 ein schön geschmücktes Graduale, das sich heute in der Bayerischen Staatsbibliothek befindet (Clm 23014).

Mit dem Übertritt Pfalzgraf Ottheinrichs zum Protestantismus 1542 wurde zwei Jahre später der katholische Gottesdienst in Obermedlingen eingestellt. Nachdem 1545 die Klosterkirche bei einem Brand vernichtet worden war, wurde das Dominikanerinnenkloster 1559 schließlich aufgehoben. Erst 1651 wurde es wieder von Dominikanern besiedelt und in einen Männerkonvent umgewandelt. Eine weitere Aufhebung erfolgte im Zuge der Säkularisation 1804.

Verf.: bjk.

Besitzer von Drucken:

Literatur:

Händl, C. / Wolf, G.: Fabri, Felix. In: Killy Literaturlexikon. Bd. 3. 22008, S. 350f.
Hannemann, K.: Fabri, Felix . In: 2VL 2 (1980), Sp. 682-689.
Schiedermaier, W.: Das ehemalige Dominikanerkloster Obermedlingen. In: ders. (Hg.): Klosterland Bayerisch Schwaben. Lindenberg 22008, S. 279.
Sepp, F. / Wagner, B. / Kellner, S.: Handschriften und Inkunabeln aus süddeutschen Frauenklöstern in der Bayerischen Staatsbibliothek München. In: Nonnen, Kanonissen und Mystikerinnen. Religiöse Frauengemeinschaften in Süddeutschland. Beiträge zur interdisziplinären Tagung vom 21. bis 23. September 2005 in Frauenchiemsee (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instiuts für Geschichte 235; Studien zur Germania Sacra 31). Hg. von E. Schlotheuber u.a. Göttingen 2008, S. 317-372, hier S. 320.
Wenck, R.: Maria Himmelfahrt Obermedlingen. Ehem. Dominikanerkloster und jetzige Pfarrkirche. München 1982.
Wilms, H.: Geschichte der deutschen Dominikanerinnen 1206 bis 1916. Dülmen 1920, S.35 f.
Version vom 31. 08. 2012 (MRFH). Permanent Link: mrfh.de/2005.