MR Übersetzungsliteratur
im dt. Frühhumanismus

MRFHMarburger Repertorium zur
Übersetzungsliteratur im deutschen Frühhumanismus

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Johannes Leytner

Das zweite Münchener Exemplar des Bämler-Drucks von Steinhöwels 'Spiegel menschlichen Lebens' trägt auf einem vorgebundenen Blatt den Provenienzvermerk Dytz Bůch ist des Closter Tegernsee 1497. Unter diesem Eintrag wird zudem mit folgenden Worten der Vorbesitzer genannt: Hunc librum obtulit deo et sancto Quirino pro sua suorumque salute honestus vir Johannes Leytner de Schliers 1497. Ein im Wortlaut fast identischer Besitzeintrag findet sich ebenso im zweiten Bämler-Druck von Konrad von Megenbergs 'Buch der Natur' (München, BSB, 2° Inc. c.a. 710 m).

Johannes Leytner aus Schliersee soll bei seinem Eintritt in das Kloster Tegernsee seine Büchersammlung dem Kloster unter der Leitung von Abt Quirin I. Regler vermacht haben. Bei Leytners Schenkung handelte es sich um knapp 30 überwiegend lateinische Handschriften und etwa ein Dutzend deutsche Inkunabeln, die zumeist humanistisch-wissenschaftlichen Inhalts sind.

Anfang des 16. Jahrhunderts sind in Schliersee mehrere Familien namens Leytner zu verzeichnen, urkundlich tritt am Ausgang des 15. Jahhrunderts hier ein Hans Leytner in Erscheinung, der mit dem honestus vir Johannes Leytner de Schliers identisch sein dürfte. Nachdem 1495 das Kollegiatstift Schliersee aufgelöst wurde, blieb der Küster Hans Lewttner im ehemaligen Propstenhaus zurück. Hans Leytner, der offenbar in enger Beziehung zum Stiftskapitel stand, dürfte durch seine Stellung in den Besitz der lateinischen Handschriften gekommen sein. Wenn er mit jenem Johannes Leytner identisch ist, wäre zudem gelöst, warum Redlich (S. 71) die Bücherschenkung an die Tegernseer Benediktinerabtei fälschlicherweise einem Thomas Leitner zugeschrieben hat: Hans Leytner machte, wohl zum Anlass der Profess seines Verwandten Thomas Leitner, die zurückgelassene Schlierseer Sammlung nebst seiner eigenen deutschsprachigen Drucke dem Kloster Tegernsee zum Geschenk. Die Angabe, Johannes Leytner hätte im Jahr 1497 selbst in Tegernsee Profess abgelegt, gilt hingegen in der Forschung als überholt (vgl. Schmidt, S. 152, Anm. 35).

Verf.: bjk.

Besitzer von Drucken:

Literatur:

Bauer, C.: Geistliche Prosa im Kloster Tegernsee. Untersuchungen zu Gebrauch und Überlieferung deutschsprachiger Literatur im 15. Jahrhundert (MTU 107). Tübingen 1996, S. 70-72.
MBK = Ruf, P.: Mittelalterliche Bibliothekskataloge Deutschlands und der Schweiz. Hg. von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München. 4 Bde. München 1918-1979, hier Bd. 4/2, S. 745.
Redlich, V.: Tegernsee und die deutsche Geistesgeschichte im 15. Jahrhundert (Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte 9). München 1931, S. 171f., 188.
Schmidt, P.: Gedruckte Bilder in handgeschriebenen Büchern. Zum Gebrauch von Druckgraphik im 15. Jahrhundert (Pictura et Poesis 16). Köln u.a. 2003, S. 152.
Schneider, K.: Deutsche mittelalterliche Handschriften aus bayerischen Klosterbibliotheken. In: Handschriften in Bayern (Bibliotheksforum Bayern) Hg. von der Generaldirektion der Bayerischen Staatlichen Bibliotheken. Jahrgang 9 1/2. München u.a. 1981, S. 44-56, hier S. 49.
Schneider, K.: Die deutschen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek München: Cgm 201-350 (Catalogus codicum manu scriptorum Bibliothecae Monacensis 5,2). Wiesbaden 1970, S. 158, 327.
Spyra, U.: Das "Buch der Natur" Konrads von Megenberg. Die illustrierten Handschriften und Inkunabeln (Pictura et poesis 19). Köln u.a. 2005, S. 361.
Vögel, H.: Sekundäre Ordnungen des Wissens im "Buch der Natur" des Konrad von Megenberg. In: Eybl, F.: Enzyklopädien der frühen Neuzeit. Beiträge zu ihrer Erforschung. Tübingen 1995, S. 43-63, hier S. 56f.
Weck, H.: Die "Rechtssumme" Bruder Bertholds. Eine deutsche abecedarische Bearbeitung der "Summa Confessorum" des Johannes von Freiburg. Die handschriftliche Überlieferung. Tübingen 1982, S. 119f.
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