MR Übersetzungsliteratur
im dt. Frühhumanismus

MRFHMarburger Repertorium zur
Übersetzungsliteratur im deutschen Frühhumanismus

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Johann Fünfer

Dedikationen

Niklas von Wyle: 5. Translation: ob ain wirt gest ladende danck sagen sölt (Giovanni Francesco Poggio Bracciolini: Disceptatio convivalis I)

Leben

Johann Fünfer entstammt einer seit Beginn des 14. Jahrhunderts in Stuttgart nachgewiesenen Familie und stand über 40 Jahre in Diensten der württembergischen Grafen und Herzöge. Unter Graf Ulrich V. (dem Vielgeliebten) diente Fünfer als Schreiber (1453), Kammersekretär (1459) und schließlich ab 1474 als Kanzler am Stuttgarter Hof.

1453 kaufte Fünfer von Graf Ulrich das an der westlichen Stadtmauer gelegene Alte Steinhaus, als dessen Besitzer er noch 1490 nachweisbar ist. 1459 schenkte ihm der Graf für seine Dienste zwei Morgen Weingarten in der Nähe von Esslingen. 1474 wiederum verkaufte Fünfer seine im Osten Stuttgarts gelegenen Baumgärten für 230 Gld. an Graf Ulrich V., der diese zur Erweiterung der Schlossanlagen nutzte. Zwischenzeitlich widmete sich Fünfer auch dem Bergbau und erhielt 1488 die herzögliche Erlaubnis, auf dem Stuttgarter Sonnenberg nach Erz zu graben.

Der Widmungsvorrede der 5. Translation des Niklas von Wyle folgend nutzte Fünfer seinen Esslinger Weingarten zu gesellschaftlichen Zusammenkünften, weswegen Niklas seinem besundern gůten günner vnd fründe am 18. Oktober 1462 die Übersetzung der 'Disceptatio convivalis' I des Poggio Bracciolini widmete, in der erörtert wird, ob Gäste sich für Einladungen oder Gastgeber für deren Annahme bedanken müssen.

Nach dem Abschluss des Münsinger Vertrages (14. Dezember 1482) leitete Fünfer die unter Eberhard im Bart neugeschaffene Stuttgarter Hofregistratur, den Vorläufer des Hofarchivs. 1496, als Herzog Eberhard II. die Herrschaft über Württemberg übernahm, fand Fünfer wieder Anstellung in der Kanzlei. Als Vertreter des Herzogs nahm er 1498 am Stuttgarter Landtag Teil, auf dem sich Eberhards Räte geschlossen vom Herzog abwandten und so mit Billigung Maximilians I. dessen Absetzung einleiteten. Als Kanzleimitarbeiter diente Fünfer nun auch dem kommissarischen Regierungsrat, der die Geschicke des Landes im Namen des unmündigen Herzogs Ulrich leitete.

Verf.: js.

Literatur:

Alberti, O. v.: Württembergisches Adels- und Wappenbuch. 2 Bde. Stuttgart 1889-1916, S. 204.
Kothe, I.: Der fürstliche Rat in Württemberg im 15. und 16. Jahrhundert (Darstellungen aus der Württembergischen Geschichte 29). Stuttgart 1938, S. 131.
Lange-Kothe, I.: Zur Sozialgeschichte des fürstlichen Rates in Württemberg im 15. und 16. Jahrhundert. In: Vierteljahresschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 34 (1941), S. 237-267, S. 246 u. 256.
OHR, W. / Kober, E.: Württembergische Landtagsakten 1498-1515. Stuttgart 1913, S. 5, 25, 44 u. 55.
Rapp, A.: Urkundenbuch der Stadt Stuttgart (Württembergische Geschichtsquellen 13). Stuttgart 1912, 363, 409, 570, 749 u. 800.
Wein, G.: Die mittelalterlichen Burgen im Gebiet der Stadt Stuttgart. 2 Bde. Stuttgart 1967-1971, I, S. 91-93 u. 106.

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Wappen Johann Fünfers. Quelle: Alberti, O. v.: W├╝rttembergisches Adels- und Wappenbuch. 2 Bde. Stuttgart 1889-1916, S. 204.

Version vom 07. 12. 2011 (MRFH). Permanent Link: mrfh.de/0640.